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Melvin Nyffeler

Melvin Nyffeler im Lakers-Dress         |         Bild: zsz.ch
Melvin Nyffeler im Lakers-Dress | Bild: zsz.ch

Melvin Nyffeler hat rund um das Schweizer Eishockey bereits viel gesehen. Nach Aufenthalten bei den ZSC Lions, dem HC Fribourg-Gottéron und dem EHC Kloten (und beim HC Davos während dem Spengler Cup) hat der Zürcher in Rapperswil seine Heimat gefunden. Wie wichtig ein solches Heimatgefühl ist, wie er seine Zukunft und diejenige des SCRJ sieht, verriet der aufstrebende Schweizer Keeper beim Kaffee mit shutout.info.

 

 

«MAN WOLLTE VOR DEM ABSTIEG 2015 ALS EISHOCKEYSPIELER NICHT UNBEDINGT NACH RAPPERSWIL WECHSELN.» 

 

 

Rapperswil war und ist auf der Hockeylandkarte nicht gerade hoch angesehen. Was kannst du uns über die Entwicklung des Klubs nach dem Abstieg erzählen?

Das stimmt. Ich sage dir ehrlich: Man wollte vor dem Abstieg 2015 als Eishockeyspieler nicht unbedingt nach Rapperswil wechseln. Die Mannschaft spielte Jahr für Jahr um den Ligaerhalt.  Nach dem Abstieg hat sich der Klub aber rundum erneuert. Die neue Führung, die stabile Infrastruktur und die kontinuierlich positive wirtschaftliche sowie sportliche Arbeit bringen den Klub nun wieder in die Zukunft. Der SCRJ ist wie ein kleiner Baum, der von Tag zu Tag wächst. Es ist spürbar, dass in Rapperswil nun ein anderer Wind weht und sich der Klub stetig verbessern will. 

 

 

Identifikationsfiguren schienen, vor allem nach dem Abstieg aus der höchsten Spielklasse, lange zu fehlen. Mit Cyrill Geyer hatte Rapperswil einen Spieler, der das Trikot mit Herzblut trug. Mit Rapperswil hast du nun ebenfalls einen Ort gefunden, bei dem du auf und neben dem Eis ein wichtiges Aushängeschild bist, wie kam es zur Verbundenheit mit der Rosenstadt?

Nach meiner eher harten Zeit in Fribourg kam ich nach Rapperswil und fühlte mich von Anfang an sehr wohl. Ich habe meine Familie und Freunde um mich herum. Wenn du in Fribourg wohnst und mehr als zwei Stunden fahren musst, um Freunde und Familie zu sehen, ist das eben nicht dasselbe, wie wenn du bereits in der Nähe bist. Zudem fühle ich mich mit der Stadt, dem Klub und den Fans sehr verbunden. 

 

 

Deine «Liebe» zur Rosenstadt ist spürbar. Man sieht, dass du dich vollkommen mit den SCRJ-Lakers identifizierst. Du scheinst auf dem besten Weg, zu einer Identifikationsfigur à la Geyer zu werden…

Das wäre natürlich sehr schön. Egal wo du bist, solch eine Anerkennung ist für jeden Profi etwas Grosses und zeigt auch, dass du vieles richtig gemacht hast. Manchmal geht’s nicht nur um Titel – vielleicht ist ein Trikot unter dem Hallendach zum Schluss wichtiger als drei Trophäen mit drei verschiedenen Klubs. Doch Prognosen abzugeben sind schwierig, das hängt von vielerlei Faktoren ab. Für mich ist klar, dass ich in Rapperswil individuell, sowie auch mit meinem Team den nächsten Schritt nach oben machen will. 

 

 

Auf deiner Maske ist seit dieser Saison Cyrill Geyer abgebildet. Was war dein Beweggrund?

Cyrill ist für mich das Symbolbild für Loyalität und Klubtreue. Er ist in der Geschichte von Rapperswil ein Held der Neuzeit. Die Abstiegssaison war eigentlich seine Letzte. Irgendwie konnte man Ihn aber zum Glück zum weitermachen überzeugen. Die Geschichte danach imponiert mir. Mit seinen Leistungen auf und neben dem Eis hatte er am Neuaufbau in Rapperswil einen wesentlichen Anteil. Man kann sagen, Cyrill hatte die perfekte Karriere.

 

 

«DIE REGION IST EINMALIG»

 

 

Was zeichnet Rapperswil aus?

Bei größeren Vereinen kennst du viele Leute gar nicht, bei einem kleineren Klub wie Rapperswil ist das völlig anders. Da spürst du den Zusammenhalt von jedem, der für den Klub arbeitet. Alle Arbeitenden, inklusive den Fans ziehen am selben Strang, das ist unglaublich schön mitanzusehen. 

In Rapperswil hast du zudem alles, was du brauchst. Die Region ist einmalig. In wenigen Minuten bist du in den Bergen, genießt Seeanstoss oder kannst in einem der vielen Cafés oder Restaurants in der Altstadt etwas trinken gehen. Rapperswil hat wirklich enorm viel zu bieten. Sofern man das Stadtleben vermisst, ist man in wenigen Minuten in Zürich – einer Weltstadt. Ich denke auch, dass unser Klub eine sehr wichtige Rolle in dieser Stadt spielt.

 

 

Wie siehst du deiner Zukunft entgegen? Träumt man als junger Spieler nicht davon, für die grössten Klubs und vor 10'000 statt vor 4'000 Zuschauern zu spielen?

Klar, als kleiner Junge willst du aber auch in die NHL (lacht). Natürlich ist es schön, im Hallenstadion oder in der PostFinance Arena vor über 10'000 Leuten zu spielen, aber das ist für mich nicht das Wichtigste. Schlussendlich musst du glücklich sein, mit dem was du tust. Außerdem bedeuten mehr Fans nicht, dass es die Besseren sind. Unsere Fans haben mehr als einmal bewiesen, dass sie zu den Besten gehören. Sie stehen immer lautstark hinter uns und unterstützen das Team in guten wie in schlechten Zeiten. Das ist etwas, was unsere Fans auszeichnet. Und bei der Cup- und Aufstiegsfeier haben sie dann partytechnisch noch einen draufgepackt (lacht).

 

Inwiefern?

Nach so vielen Jahren der Erfolgslosigkeit haben wir alles gewonnen, was wir gewinnen konnten. Die Fans waren elektrisiert, die Stimmung und die Dankbarkeit hautnah mitzuerleben war etwas Einmaliges. Für solche Momente lebst du, sei es als Sportler oder aber auch als Fan. Die Cup- und Aufstiegsfeiern waren wohl die schönsten Momente meiner Karriere.

 

Wie siehst Du deine Zukunft?

Ich denke, die nächsten zwei Jahre werden sicherlich entscheidend sein. Es kommt immer auf vielerlei Faktoren an: Wie entwickle ich mich? Wie entwickelt sich der Klub? Wie schon gesagt, ich bin hier in Rapperswil sehr glücklich.

 

 

Aber zum Beispiel zu den ZSC Lions hast du schon eine spezielle Verbindung…

Klar, ich habe dort ja auch meine Juniorenzeit verbracht, meine ersten NLB- wie auch NLA-Spiele absolviert und auch einen Meistertitel feiern können. Man weiss im Sport nie, was passieren wird. Rapperswil wird für mich aber immer der erste Verein sein, mit dem ich reden werde. 

 

Schlussendlich ist es auch ein Business, wobei es auch darum geht, sich selber immer zu verbessern und seine Möglichkeiten abzuwägen…

Da hast du recht. Wenn ein Angestellter in einer Firma gut arbeitet und dann andere Angebote bekommt, prüft er diese natürlich. Im Sport ist das aber noch ein bisschen anders. Wenn du wie ich mit Herzblut für einen Klub spielst, überlegst du dir einen Wechsel natürlich nochmals doppelt und dreifach.

 

 

Ist die Nationalmannschaft bei dir bereits im Hinterkopf?

Klar ist es mein Ziel, eines Tages im Schweizer Trikot aufzulaufen. Ich denke aber, Nati-Spieler ist man erst, wenn du an einer WM teilgenommen hast. Bis dahin habe ich noch einen langen Weg vor mir. Ich konzentriere mich momentan auf mich und meinen Klub, alles andere kommt so oder so wie es dann eben sein muss.

 

 «GIGI’S SOHN KANN BEREITS HEUTE DINGE, DIE SEIN VATER NIEMALS KONNTE (LACHT)»

  

Erklär uns, wie du den Aufstieg erlebt hast. 

Da funktionierst du nur noch, du kannst gar nicht gross überlegen. Trauer und Freude sind so nah beieinander, dass kannst du gar nicht beschreiben. 

 

Versuchs…

Mosimann‘s Treffer war wohl der schönste Moment in meinem Leben. Ich bin einfach zusammengesackt. Eigentlich hätten in diesem Moment Tränen kommen sollen, doch es kam einfach nichts. Mein Körper war so leer, nicht einmal die Tränendrüsen funktionierten. Das war eine enorme Erfahrung, die mental nicht zu beschreiben ist. Nach zwei harten erfolglosen Jahren hatten wir unser Ziel endlich erreicht.

 

Wie kannst du neben dem Hockey am besten abschalten?

Ich unternehme viel mit Freunden und gehe gerne mit ihnen essen oder ins Kino. Meine Freundin Gina nimmt in meinem Privatleben natürlich auch eine sehr grosse Rolle ein. Im Sommer geht man sicherlich auch mit den Freunden etwas trinken, man muss schliesslich die langen Tage und das Wetter geniessen. Dafür bleibe ich im Winter meist zuhause (schmunzelt). (Mehr zum Thema Ausgang in der Infobox unten)

 

 

Wie stehst du zu Social Media?

Es ist enorm, wie sich das im Vergleich zu früher entwickelt hat. Heutzutage kannst du ganze Trainingseinheiten online einsehen. Die Siebenjährigen auf Instagram oder Youtube sehen heute einen Move von Kucherov (NHL-Spieler) und machen ihn dann am nächsten Tag nach. Das ist schon anders als damals und bringt unseren Sport auf ein neues Level.

 

 

Das heisst, wenn du einen grossen Eigenwillen hast und unbedingt Profi werden willst, hast du heute viel bessere Möglichkeiten als früher?

Genau, du kannst viel mehr selbst erlernen. Wenn du einen Trick lernen willst, gibt es dafür x-tausende Videos. Letztens habe ich Gigi‘s (Sven Lindemann) Sohn mit Rollerblades und einem Knebel spielen sehen. Der kann durch die Videos seiner Vorbilder bereits heute Dinge, die sein Vater niemals konnte (lacht).

 

Hand aufs Herz, sind die Playoffs mit den Lakers in den nächsten zwei bis drei Jahren möglich?

Ja.  

 

Zum Abschluss: Wie lautet deine Saisonprognose für das nächste Jahr?

Wir wollen um die Playoff-Plätze spielen. 

 

 

Nyffeler ausserdem…

 

… über Ausgang/Clubszene:

Ich bin kein grosser Clubgänger. Bereits früher war es für mich klar, dass ich Profi werden will und demnach alles dafür tun möchte, um mein Ziel zu erreichen. Daher lag es gar nicht im Rahmen, gross in den Ausgang zu gehen.

 

«ICH MAG ENGLISCHEN FUSSBALL, DIESER IST ETWAS HÄRTER UND ES GIBT SELTEN BIS GAR KEINE SCHWALBEN.»

 

... zum Vergleich Fussball/Eishockey:

Schwer zu sagen, was härter ist. Im Fussball brauchst du andere Muskeln, als im Eishockey. Ich denke auch, dass Fussballer nochmals etwas mehr auf die Ernährung achten als Eishockeyspieler. Die mediale Präsenz ist im Fussball auch nochmals um einiges höher, was sich wiederum auch auf dein eigenes Leben auswirken kann. Eishockey und Fussball wird sehr gerne miteinander verglichen. Am meisten mag ich englischen Fussball, dieser ist etwas härter und es gibt selten bis gar keine Schwalben.

 

… über Timo Helbling:

Als ich in Fribourg war, hatte ich beinahe Angst vor dem Spieler Helbling. Du kennst ihn ja nicht als Mensch, sondern nur als Spieler aus dem Fernsehen. Als ich als Junger dann zu Fribourg ging und sah, dass ich in der Garderobe neben ihm Platz nehmen musste, dachte ich: «Nein, das kann nicht wahr sein, jetzt kann ich meinen Mund vor lauter Respekt ja gar nicht mehr aufmachen.» Timo stellte sich aber als der liebenswerteste Mensch heraus und wurde mein bester Freund in meiner Zeit in Fribourg. Spieler und Mensch können ganz unterschiedlich sein, dass macht unseren Sport ja auch noch spannender. 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Peter kuster (Sonntag, 04 August 2019 16:37)

    Cedric hüsler,für dini cousine